Aufzug ins Ich - Der Traumjob

 

Ein Dialog

 von

Werner Dück und IVOSUN

Anwaltlich hinterlegt bei RA Holger von Hartlieb

 

Das ausschnittsweise oder gesamte Kopieren des Textes ist untersagt bzw. nur nach Rücksprache mit Werner Dück möglich.

Vorwort

Lieber Leser,

Sie haben sich nun dieses Buch gekauft, geliehen - oder auch geschenkt bekommen - aus einem ganz bestimmten Grund. Ich weiß nicht aus welchem, den können nur Sie selbst herausfinden. Ich weiß nur, es gibt keine Zufälle, bzw. es gibt sie, denn es ist Ihnen nun zugefallen. Das heißt, es hat etwas mit Ihnen und Ihrer Situation zu tun.

Wie gesagt, ich weiß es nicht. Das herauszufinden, darf ich Ihnen überlassen. Manchmal sind die Zusammenhänge sofort klar, manchmal liegen sie sehr im Verborgenen und wir erkennen sie erst später, manchmal sehr viel später. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Seien Sie einfach immer wach dafür und die Antwort wird zu Ihnen kommen. Garantiert!

 

Ich darf Sie nun mitnehmen auf ein kleines Abenteuer: Eine Reise in die Phantasie. Ein Spiel in Ihrem Geist. Das heißt, Sie als Leser dürfen wie ein Schauspieler in die Rolle des Alex schlüpfen, in die Hauptrolle. Der Text ist für beide Geschlechter konzipiert. In dieser Ebook-Version habe ich das Buch für Mann bzw. Frau getrennt ausgegeben, d.h. vergewissern Sie sich, dass Sie die für Ihr Geschlecht passende Version haben. Bitte sehen Sie über die komischen Formatierungen in den Dialogen hinweg. Leider geht das bei Ebooks derzeit nicht besser.

 

 

Beginnen wir nun die Reise:

Stellen Sie sich einen Aufzug und eine Person darin vor. Die Person ist Ihre Rolle, sie sollte also Ihr eigenes Geschlecht haben. Der Einfachheit halber habe ich für die Hauptperson einen Namen ausgewählt, der für beide Geschlechter steht: ALEX

Dann stellen Sie sich für den Aufzug eine Stimme vor. Ja, Sie haben richtig gelesen, ein sprechender Aufzug! So etwas gibt es in Ihrem Geist. Stellen Sie sich die Stimme mit einem fast kindlichen, einfühlsamen Klang des anderen Geschlechts vor. Sind Sie männlich, ist die Stimme des Aufzugs weiblich, und umgekehrt.

Alex stellen Sie sich bitte folgendermaßen vor: Alter irgendwo zwischen 30 und 50 Jahre, nehmen Sie am besten Ihr eigenes. Von Beruf leitender Texter in der Werbebranche. Es kann auch ein anderer Beruf sein, einer, den Sie gerne machen würden. Für unsere Geschichte ist das eher von geringer Bedeutung. Sie können auch jünger oder älter sein. Das alles ist nicht sonderlich wichtig. Allerdings müssen Sie dann etwas umdenken, deshalb schlage ich fürs erste Lesen vor, nehmen Sie mein Bild vom Texter (zur Info: ein Texter erstellt Werbetexte und -konzeptionen).

 

Sobald Sie beide Bilder lebendig in Ihrem Geiste aufgestellt haben, bringen Sie diese zusammen und werden Sie zum Schauspieler in Ihrem Geiste. Sie sind nun der 40 jährige Texter Alex. Ich werde Sie im Text nun direkt mit Sie ansprechen. Sie haben heute ein Gespräch bei einer sehr angesehenen Werbeagentur, in die Sie als Creative-Direktor (zur Info: Leitung der kreativen Abteilung) mit Aussicht auf einen Posten in der Geschäftsleitung einsteigen wollen.

Wichtig ist, Sie stehen damit kurz vor der Erreichung eines Ihrer Karriereziele. Eines Zieles, von dem Sie denken, dass es für Sie ganz entscheidend ist. Mit diesem Ziel hätten Sie erreicht, was Sie sich schon lange sehnlichst gewünscht haben.

Extra zu diesem Zweck haben Sie sich ein neues Outfit mit Anzug, Hemd, Krawatte und Schuhen gekauft. Letztere drücken ein wenig. Perfekt gestylt betreten Sie das Gebäude der Werbeagentur. Es ist 13.55 Uhr. Um 14.00 Uhr haben Sie den Termin. Sie haben die Zeit genau geplant. Sie wissen, wenn Sie zu früh kommen, sieht es so aus, als wollten Sie den Job unbedingt. Kommen Sie zu spät, macht es einen schlechten Eindruck.

Deshalb gehen Sie noch kurz in der Empfangshalle auf und ab, machen ein paar Atemübungen, die Sie aus einem Seminar für Stressabbau her kennen, so dass Sie exakt zwei Minuten vor dem Termin oben im 21. Stock ankommen werden. Das ist der perfekte Zeitpunkt. Ihnen ist bewusst, dass Ihre Aufregung unangebracht ist, schließlich ist die Agentur über einen Headhunter an Sie herangetreten. Trotzdem beschleicht Sie eine leichte Nervosität.

Ein letzter Kontrollblick in den großen Spiegel neben dem Aufzug, dann betätigen Sie den Knopf und warten auf den Aufzug. Der Aufzug öffnet sich, Sie steigen ein, checken nochmal die Uhrzeit, atmen ein letztes Mal tief durch und drücken dann die Einundzwanzig auf der Schalttafel. Der Aufzug bewegt sich nach oben. Plötzlich, mit einem kleinen Ruck, bleibt er zwischen dem 16. und 17. Stockwerk stehen.

 

Sie sind natürlich zunächst erstaunt und drücken nochmals die Einundzwanzig auf der Schalttafel. Nichts rührt sich. Sie drücken wieder und wieder, doch nichts bewegt sich. Wütend schlagen Sie mit der Faust auf die Schalttafel. Doch, ... kein Mucks.

Ein Blick auf Ihre Uhr macht Sie nervös. Sie betätigen den Knopf für die Gegensprechanlage des Aufzugs. Mit dem Ohr am Lautsprecher warten Sie auf Antwort. Aber, es ist nichts zu hören. Wütend trommeln Sie auf den Knöpfen der Schalttafel herum.

 

 

1.Akt:

 

Aufzug
Auaaa!!

 

Sie horchen auf und drehen sich um. Doch außer Ihnen und Ihrem Aktenkoffer ist niemand in dem Aufzug. Sie schütteln den Kopf, sicherlich haben Sie sich verhört. Ein erneuter Blick auf die Uhr holt Sie zurück in die Realität. Der Aufzug steht noch immer. Sie wollen gerade ausholen, um mit aller Kraft gegen die Schalttafel zu schlagen, da hören Sie wieder die Stimme.

 

Aufzug
Auaaa!! Hörst du auf, zu schlagen.

 

Sie sind verwirrt, es ist doch niemand im Raum? Vorsichtig fragen Sie in die Stille:

 

Sie
Wer spricht da?

 

Aufzug
Na ich.

 

Sie
Wer ist ich?

 

Aufzug
Na ich, der Aufzug.

 

Sie
Unheimlich witzig. Soll das versteckte Kamera sein?

 

Aufzug
Nein, ich bin es wirklich, ... der Aufzug.

 

Sie
Natürlich der Aufzug und ich bin der Kaiser von China. Ist das vielleicht ein Bewerbungstest?

 

Aufzug
Nein, ich bin der Aufzug.

 

Sie (ironisch)

Na logisch, Aufzüge sprechen ja auch ständig mit ihren Fahrgästen. Das ist ganz normal.

 

Aufzug (leicht beleidigt)

Also normal ist das wahrscheinlich nicht. Aber wenn Du meinst.

 

Sie suchen den Aufzug nach einer versteckten Kamera ab. Die Decke, die Seitenwände, den Boden - aber es ist nichts zu finden.

 

Sie
Irgendwo muss doch hier eine Kamera sein. Die sind ganz schön ausgefuchst, das ist garantiert ein Test: Umgang mit ungewöhnlichen Situationen oder so.

 

Aufzug
Du bist witzig.

 

Sie
Was soll heißen, ich bin witzig?

 

Aufzug
Na wie du so herum suchst, das ist witzig.

 

Sie (wütend)

Ja unheimlich witzig, ich lach mich tot. Ich muss in ein paar Minuten bei einem wichtigen Termin sein und habe keine Zeit für solche Scherze.

 

Aufzug
Warum ist er wichtig?

 

Sie
Es geht um meine Zukunft.

 

Aufzug
Was ist denn deine Zukunft?

 

Sie (verdrehen die Augen, so als ginge das den Aufzug nichts an, antworten dann aber doch)

Ich habe gleich ein Bewerbungsgespräch für einen Job, einen super Job, der sozusagen die Erfüllung eines Lebenstraumes ist. Und nun hindert mich ein blöder Aufzug daran, rechtzeitig zu meinem Termin zu kommen.

 

Aufzug (traurig)

Das finde ich nicht nett.

 

Sie
Was findest du nicht nett?

 

Aufzug
Dass du blöde zu mir sagst.

 

Sie (lachen)

Also entschuldige mal, du bringst hier die Konfusion rein und beschwerst dich, dass ich dich als blöde bezeichne? Könntest du mich jetzt bitte nach oben bringen, in zwei Minuten habe ich meinen Termin.

 

Aufzug
Nein.

 

Sie (sprechen zu sich)

Okay. Ich bin sicher, das ist ein Test. Die wollen sehen, wie ich mit dieser Situation umgehe.
(Sie sprechen zum Aufzug) Gut... was soll ich tun, damit Du, lieber Aufzug, mich nach oben bringst?

 

Aufzug (erfreut)

Das klingt gut: Lieber Aufzug!
Also ich möchte, dass du mir drei Fragen beantwortest.

 

Sie
Drei Fragen? Und dann bringst du mich nach oben?

 

Aufzug
Ja!

 

Sie
Versprochen?

 

Aufzug
Versprochen.

 

Sie
Okay, erste Frage?

 

Aufzug
Also, ... wie viel ... also hmmm...

 

Sie
Nun mach schon mir läuft die Zeit davon.

 

Aufzug
Die Zeit davon?! ...  so so

 

Sie (ungehalten)
Ja, mir läuft die Zeit davon. Ach, rutsch mir doch den Buckel runter ...

 

Sie greifen sich Ihr Handy und wählen eine Nummer.

 

Sie
Hallo? Hallo, ja hier Schmitz. Ich habe einen Termin bei Ihnen um 14.00 Uhr, ... doch, doch, ich kann schon kommen. Ich bin auch schon da, aber ich stecke in Ihrem Lift fest... ja richtig, in Ihrem Haus im Lift. Ja, in dem rechten...  könnten Sie jemanden schicken, der mich hier rausholt?

 

In diesem Moment ertönt ein Liftfahrgeräusch, so als ob der Lift wieder anfahren wollte.

 

Sie
Warten Sie, einen Moment...  ich glaube, jetzt geht es wieder. Ja tatsächlich, der Lift fährt wieder... ja, bis gleich.

 

Der Aufzug fährt zwei Stockwerke höher, dann bleibt er zwischen dem 18. und 19. Stock stehen.

 

Sie
Hey, was ist denn jetzt schon wieder? Wir sind noch nicht oben.

 

Aufzug
Wir haben eine Abmachung.

 

Sie
Ja richtig, wir haben die Abmachung, dass du mir drei Fragen stellst und mich dann hochbringst und nicht wieder zwischen dem achtzehnten und neunzehnten Stock anhältst.

 

Aufzug
Genau!

 

Sie
Aber dazu musst du die Fragen auch stellen und nicht herumdrucksen. Ich habe nicht ewig Zeit.

 

Aufzug
Zeit scheint dir ganz schön wichtig zu sein.

 

Sie
Ja, Zeit ist wichtig, Zeit ist Geld. Aber ich glaube, davon hat ein Aufzug keine Ahnung.

 

Aufzug
Wenn du meinst. Also gut, meine erste Frage: Wie viel ist eins und eins?

 

Sie (verdrehen die Augen)
Zwei. Nächste!

 

Aufzug (bewundernd)
Oh, du bist gut. Zwei! Das ist echt gut.

 

Sie
Danke. Nächste Frage, bitte!

 

Aufzug
Na gut. Welche Farbe hat die Sonne?

 

Sie
Gelb.

 

Aufzug
Gelb?

 

Sie
Manchmal auch Orange oder Gold. Das hängt von der Tageszeit und dem Licht ab. Aber in der Regel Gelb.

 

Aufzug
Das hätte ich nicht gedacht. Gelb?!

 

Sie (sehen ungeduldig auf die Uhr)
So und nun bitte die dritte Frage!

 

Aufzug
Okay. Wer.... wer bist du?

 

Sie (schnaufen genervt durch die Nase)
Mein Name ist Alex Schmitz, bin 40 Jahre alt und Texter von Beruf. Zufrieden?

 

Aufzug (bestimmt)
Nein!

 

Sie
Nein?! Was soll das heißen?

 

Aufzug
Nein. Nein heißt nein! Ich bin nicht zufrieden!

 

Sie
Okay, nochmal. Ich heiße Alex Schmitz, bin 40 Jahre alt, bin ..., ja richtig, das habe ich vergessen, ich bin geschieden und Single. Und von Beruf bin ich Texter und bald Creative Direktor. Jetzt zufrieden?

 

Aufzug
Nein.

 

Sie (aufgebracht)
Was willst du denn noch alles wissen?

 

Aufzug
Ich will nur wissen, wer du bist.

 

Sie
Ich habe dir alles gesagt, was es zu sagen gibt... okay, ich fahre einen Porsche, habe eine Dachterrassenwohnung... ich habe keine Kinder und meine Hobbys sind Mountainbike fahren und Bergsteigen. Mehr kann ich dir aber wirklich nicht mehr sagen.

 

Aufzug (mit trauriger Stimme)
Du sagst mir nur, was du bist, was du machst und was du hast, aber nicht: wer du bist.

 

Sie
Ich glaub's nicht, ich glaub's einfach nicht. Ein Aufzug wird zum Psychotherapeut. Warte, einen Moment.

 

Sie holen nochmals Ihr Handy aus der Tasche und drücken die Wiederwahltaste.

 

Sie
Hallo?... ja, hier nochmals Schmitz. Also der Lift steckt schon wieder fest... wie hallo... hallo...? (verzweifelter Blick aufs Display)
Mist, kein Empfang mehr, das ist wieder typisch. Immer wenn man's braucht. (Sie stecken das Handy wütend zurück in die Tasche)

 

Aufzug
Entschuldige, ich wollte dich nicht wütend machen. Ich wollte nur wissen, wer du bist.

 

Sie
Ich hab dir bereits gesagt, wer ich bin. Was willst du denn noch wissen?

 

Aufzug
Ich muss mich wiederholen. Du hast nur gesagt, was du bist, was du hast und was du tust. Aber das sind alles nur Äußerlichkeiten. Ich wollte wissen, wer du bist.

 

Sie (schweigen und denken nach)
Wer ich bin? ... woher soll ich das wissen? Ich habe keine Ahnung.

 

Aufzug
Warum weißt du das nicht?

 

Sie
Was weiß ich? Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wozu auch? Das ist doch völlig egal!

 

Aufzug
Wie kann dir egal sein, wer du bist?

 

Sie
Also, du stellst vielleicht Fragen!... Jetzt bring mich endlich rauf, ich muss zu meinem Termin.

 

Aufzug
Warum? Damit du noch weniger Zeit hast, darüber nachzudenken, wer du bist?

 

Sie
Das führt doch zu nichts. Da kann ich ein Leben lang darüber nachdenken und finde doch keine Antwort.

 

Aufzug
Woher willst du das wissen?

 

Sie
Ich hab das schon mal gemacht. Gleich nach dem Studium, da hatte ich drei Monate lang nichts zu tun, bis mein erster Job anfing. Und da habe ich über mich nachgedacht.

 

Aufzug
Und?

 

Sie
Was und?

 

Aufzug
Was kam dabei heraus?

 

Sie
Nichts. Deshalb weiß ich doch, dass das nichts bringt.

 

Aufzug
Vielleicht hast du falsch über dich nachgedacht.

 

Sie (zynisch)
Und du als Aufzug willst mir nun sagen, wie man richtig über sich nachdenkt. Wer bist du denn?

 

Aufzug
Das sage ich dir, wenn die Zeit dafür reif ist.

 

Sie (nachäffend)
Ohh, wenn die Zeit reif ist...

 

Aufzug
Ja richtig, noch bist du an der Reihe, noch hast du meine dritte Frage nicht beantwortet. Und denke daran, du willst nach oben, nicht ich.

 

Sie
Ich denke an nichts anderes.

 

Mit diesen Worten ziehen Sie Ihr Handy wieder aus der Tasche und rufen erneut an.

 

Sie
Ja hallo, hier nochmals Schmitz... ja der Empfang war unterbrochen. Wie bitte? ... ah ja, Sie haben schon den Hausmeister alarmiert...  was? Der Empfang ist sehr schlecht, was? ... ach der Hausmeister ist nicht da? ... ah ja, der Aufzugsdienst kommt so bald als möglich... okay, nein, nein mir geht es gut. Holen Sie mich einfach hier raus... das muss Ihnen nicht peinlich sein, es ist ja nicht Ihre Schuld. Ja bis gleich, hallo? ... hallo?! ... Mist, schon wieder unterbrochen.

 

Aufzug
Schuld! Ja, darum dreht sich bei euch alles.

 

Sie (noch in Gedanken)
Was? Was hast du gesagt?

 

Aufzug
Schuld. Ich sagte, Schuld, darum dreht sich bei Euch alles. Immer muss irgendwer an etwas schuld sein.

 

Sie
Na ja, es ist ja auch immer 'wer' schuld an etwas.

 

Aufzug
Das stimmt schon....

 

Sie
Aber?

 

Aufzug
Aber nicht die anderen.

 

Sie (argwöhnisch)
Moment, willst du damit andeuten, es sei meine Schuld, dass ich hier feststecke?

 

Aufzug
Lass es uns nicht Schuld nennen, sondern Ursache.

 

Sie
Also, das ist ja... das ist ja... (nach Worten ringend) da bleibst du stehen und behauptest, ich sei schuld!! Also...

 

Aufzug
Nicht Schuld, ich sagte Ursache. Du bist die Ursache dafür...

 

Sie
Also,... das glaub ich einfach nicht. Willst du damit sagen, du bist wegen mir stehen geblieben?

 

Aufzug
Ja.

 

Sie
Du bist wegen mir stehen geblieben? Das heißt, ich wollte, dass du stehen bleibst?

 

Aufzug
Ja.

 

Sie (schütteln verständnislos den Kopf)
... hey, wer steckt hinter dem Scherz. Nein, das kann nicht sein. Also bitte, das ist ein schlechter Scherz. Das ist nicht mehr lustig. Ich,... ich kaufe mir extra ein neues Outfit, nehme mir unter schwierigsten Umständen Urlaub für heute. Halte alles streng geheim, es darf ja niemand davon wissen. Und jetzt soll ich nicht zu dem Termin wollen?

 

Aufzug
So ist es.

 

Sie
Also eins verspreche ich dir, wenn ich den Job bekomme, dann lass ich dich sofort generalüberholen.

 

Aufzug
Meinst du, damit kannst du dein Problem lösen?

 

Sie
Ja, damit löse ich mein Problem. Du bist mein Problem und ich habe dich dann gelöst. Sozusagen herausgelöst.

 

Aufzug
Es wäre schön, wenn wir alle unsere Probleme so einfach lösen könnten. Was nicht funktioniert, was sich querstellt, wird einfach ausgetauscht oder kommt weg. Hitler lässt grüßen!

 

Sie
Gute Idee. Ich schicke dich in die Schrottpresse. Dann kannst du die mit der Frage nerven, wer sie ist.

 

Aufzug
Sie ist eine Schrottpresse, das weiß sie, das weiß ich, wir brauchen uns deswegen nicht zu nerven. Mich würde viel mehr interessieren, warum dich der Gedanke so aufregt, die Verantwortung für unseren Stopp hier zu tragen.

 

Sie
Weil ich nicht dafür verantwortlich bin. Das ist doch absurd. Ich will zu meinem Termin, nichts weiter.

 

Aufzug
Okay, dann sag mir, was für dich an dem Job so wichtig ist.

 

Sie
Das ist doch klar, er bedeutet einen beruflichen Aufstieg für mich. Da kann ich viel besser arbeiten. Zurzeit bin ich Direktor der Textabteilung in einer mittleren Werbeagentur. Ich bin zwar offiziell Leiter im kreativen Bereich, aber mein Chef, der Besitzer dieser Agentur, redet mir ständig in alles rein.

 

Aufzug
Meinst du, dass das hier besser sein wird?

 

Sie
Ich denke schon. Zumindest ist mir auch der Posten als geschäftsführender Gesellschafter in Aussicht gestellt worden.

 

Aufzug
Also, dich nervt am meisten, dass man dir in deine Arbeit hineinredet.

 

Sie
Ja, richtig.

 

Aufzug
Warum machst du dich dann nicht selbständig?

 

Sie
Ja,... nein... das ist nichts für mich. Da würden Probleme auf mich zukommen, von denen ich keine Ahnung habe, Betriebswirtschaftliches. Außerdem als kleine Werbeagentur kommt man nicht an die großen, die interessanten Aufträge ran.

 

Aufzug
Du hast Angst vor dem Kämpfen.

 

Sie
Angst vor dem Kämpfen? Lächerlich, ich kämpfe wie ein Löwe, wenn es sein muss. Ich will nur nicht an Dingen scheitern, von denen ich keine Ahnung habe.

 

Aufzug
Es gibt aber doch Menschen, die davon Ahnung haben.

 

Sie (schütteln abweisend den Kopf)
Ja, dann müsste ich aber einen Partner mit reinnehmen.

 

Aufzug
Warum willst du das nicht?

 

Sie
Also mit Partnern ist das so eine Sache...

 

Aufzug
Wovor hast du Angst?

 

Sie
Verdammt, ich habe keine Angst!

 

Aufzug
Du hast Angst.

 

Sie (mit herablassendem Ton)
Okay, was meinst du mit 'Angst'?

 

Aufzug
Alex, du hast offensichtlich Angst vor Partnern, Angst vor partnerschaftlichen Beziehungen.

 

Sie
Willst du mir jetzt Beziehungsangst unterstellen?

 

Aufzug
Ich will dir gar nichts unterstellen, ich stelle nur fest. Du hast vorhin gesagt, dass du geschieden und Single bist. Du willst offensichtlich keine Beziehung.

 

Sie (herumdrucksend)
Doch... schon... ich war ja verheiratet, ging aber nicht gut.

 

Aufzug
Warum?

 

Sie
Angeblich habe ich zu viel gearbeitet. Ich sei nie dagewesen. Dabei habe ich doch nur deswegen so viel gearbeitet, damit es uns gut ging.

 

Aufzug
Was bedeutet für dich: gut gehen?

 

Sie
Also ein schönes Haus, schicke Kleidung, Ausgehen, zwei bis dreimal Urlaub im Jahr, schönes Auto....

 

Aufzug
... und was die Werbung sonst noch zu bieten hat. Du zählst mir schon wieder lauter Äußerlichkeiten auf. Ist es das, was du willst?

 

Sie (winden sich)
Ja also... nein. Ich meine, das gehört doch dazu.

 

Aufzug
Dazu ja, aber nicht ausschließlich.
Ich frage dich jetzt nochmal: Wer bist DU?

 

Sie
Verdammte Scheiße, ich weiß es nicht.

 

Aufzug
Willst du dir nicht erst einmal Gedanken darüber machen, wer DU bist, bevor du einen neuen Job annimmst? Eine neue Tretmühle, die dich wieder von dir ablenken wird?

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